Kommt nach Fukushima die internationale Energiewende?
DiensTalk vom 29.03.2011

„Reagiert die Politik auf die Katastrophe von Fukushima?“ gab LAbg. Mag. Bernhard Rinner das Thema des DiensTalk vor. Als Podiumsgäste fungierten Mag. (FH) Urs Harnik-Lauris von der Energie Steiermark, Niklas Schinerl, Energiesprecher und Atomexperte von Greenpeace Österreich und Univ.-Prof. Dr. Michael Schreckenberg, Risikoforscher der Universität Duisburg-Essen.

Der Risikoforscher Michael Schreckenberg weist darauf hin, dass gerade die Frage des Risikos sehr vielschichtig zu beantworten sei. Auch wenn man ein Fahrzeug besteigt, hat man für sich selbst und für andere ein Restrisiko, denn alles hat am Ende einen Preis: einen Preis des Risikos. „In Deutschland wird jetzt untersucht, was passiert wenn eine Boeing 747 in ein Kernkraftwerk fliegt.“ berichtet Schreckenberg. Gleichzeitig zitiert Schreckenberg Studien die belegen, dass in Westeuropa Kernkraft weit weniger Tote gefordert hat als etwa Wasserkraft oder andere Kraftwerke. Was allerdings schwer einschätzbar ist sind die Atomkraftwerke in Osteuropa.

Urs Harnik-Lauris erläutert, dass die Beteiligung des Energiekonzerns EDF, der in Frankreich 59 Atomreaktoren betreibt, am steirischen Energieversorger ESTAG unter der klaren Vorgabe steht, dass die Strategie hier im Lande und unter der Ägide des Eigentümers gemacht wird. “Die Energie, die die Kunden der Energie Steiermark beziehen, kommt nicht aus Frankreich, sondern vom Verbund – also aus Österreich. Sie ist zu 100% frei von Atomenergie.” Klar sei das Bekenntnis der Energie Steiermark zu erneuerbarer Energie und das Bekenntnis, diese so umweltfreundlich wie nur möglich zu erzeugen. Für die Jahre bis 2014 wurden bereits konkrete Projekte auf Schiene gebracht. Harnik gibt allerdings zu bedenken, dass nur 60% der in der Steiermark benötigten Energie auch hier erzeugt werden kann, die restlichen 40% an atomstromfreier Energie müssen derzeit noch zugekauft werden. Ein Umstand, der sich in Zukunft ändern soll.

Der Vertreter von Greenpeace Österreich, Niklas Schinerl, hält es für die klügste Idee, Atomkraftwerke abzuschalten, ist sich aber sehr wohl bewusst, dass das nicht so einfach geht. Für ihn ist allerdings interessant, dass es in Deutschland nach dem Moratorium zu keiner Versorgungslücke gekommen ist. Er meint, dass der Ausstieg aus den AKWs in Deutschland in 6 Jahren vollzogen werden kann – wenn der politische Wille da ist und hält schließlich fest, dass es für Österreich kein Problem wäre, auf Atomstromimporte zu verzichten.

Fotos: www.camera-obscura.at – Teresa Rothwangl

Zitate:
Michael Schreckenberg: „Fukushima ist ein absoluter Extremfall. Nach dem Erdbeben der Stärke 9 und nach einem Tsunami sind die Auswirkungen dennoch relativ gering.“

Niklas Schinerl: „Nur ein abgeschaltetes Atomkraftwerk ist ein sicheres Atomkraftwerk.“

Urs Harnik-Lauris: „Um den Ausstieg aus der Atomenergie zu beschleunigen, muss der Weg zur erneuerbaren Energie freigemacht werden.“

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