Dienstalk

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Netzwerke – Seilschaften – Lobbyisten – Männerbünde

Wie groß ist ihr Einfluss auf die Politik?

DiensTalk vom 15.03.2011.

Moderiert von Landesgeschäftsführer LAbg. Mag. Bernhard Rinner widmete sich der Auftakt der heurigen DiensTalk-Saison in der VP-Parteizentrale am Grazer Karmeliterplatz dem Thema Netzwerke und deren Einfluss auf die Politik. Podiumsgäste waren Netzwerkplanungsexpertin Mag. Dr. Magda Bleckmann, der Soziologe und Autor Prof. Mag. Dr. Karl-Albrecht Kubinzky sowie der ehemalige EU-Abgeordnete Univ.-Prof. Dr. Reinhard Rack.

Auf die Frage „Was ist Netzwerken eigentlich?“ antwortet Magda Bleckmann wie folgt: „Netzwerken ist das systematische und bewusste Aufbauen und Pflegen von Kontakten für sich selbst, die eigene Sicherheit, den eigenen Informationsbedarf, die eigene Karriere und natürlich auch für die Firma, in der man tätig ist.“ Sie stellt fest, dass Netzwerken jeder lernen kann. Freilich gibt es auch Menschen, die ohne Netzwerken erfolgreich sind; mit Netzwerken geht es allerdings leichter.

Was denn nun der Unterschied zwischen Netzwerken und Seilschafen sei, meint Bleckmann: „Netzwerken ist positiv besetzt. Seilschaften heißt für mich unabhängig von Qualität miteinander verhaftet und verbunden zu sein.“ Sie hält allerdings fest, dass Netzwerken mit aller Gewalt, wo man mit Menschen zusammenkommt, die man nicht mag, nichts bringt.

„Ein Männerbund ist eine Organisation wie jede andere und hat wie jede Situation ihre speziellen Merkmale. Freimaurer ist nur einer der Männerbünde. Das allen Gemeinsame ist die Freundschaft. Es gibt bei vielen der Männerbünde einen hohen Anteil an Karitativität. Es gibt eine Reihe von Männerbünden, die sehr patriotisch sind. Auf der katholischen Seite gibt es Bünde, die mit der Religion eine enge Beziehung haben. Da gibt es viele Varianten. Insgesamt sind sie aber alle ein Teil der Gesellschaft.“, stellt Karl-Albrecht Kubinzky einleitend fest. „Männerbünde braucht man nicht von vorneherein abzulehnen“, entwarnt er. „Ob man Mitglied sein will, hängt letztlich davon ab: Will ich mich darstellen oder nicht? Und jede Organisation hat ihre speziellen Merkmale. Männerbünde sind nicht unbedingt Netzwerke. Harmlose Netzwerke gegen böse Männerbünde auszuspielen bringt ja nichts.“

Reinhard Rack stellt fest, dass die Frage des Treffens sehr wichtig ist. Man kann zwar im Büro aufgesucht werden, man kann aber auch zu einem Essenstermin eingeladen werden. Ziel ist dabei dann nicht das Essen, sondern die Information. „Wir haben unterschiedliche gewachsene nationale Systeme der Interessensvertretung. In Österreich gibt es schon sehr lange ein sehr intensives Lobbying. Bei uns heißt das allerdings Sozialpartnerschaft. Wir haben halbstaatliche Einrichtungen, die es sich zum Ziel setzen, Einfluss auf die Politik zu nehmen, indem sie durch ihre Fragen Position beziehen.“ Als Beispiel nennt Rack die Arbeiterkammer, deren „Aufgabe“ es sei, in allen sozialpolitischen Fragen und weit darüber hinaus Anliegen in die Politik zu bringen. Dasselbe gilt selbstverständlich auch für die Wirtschaftskammer oder die Industriellenvereinigung.

Fotogalerie auf flickr:

Fotos: www.camera-obscura.at – Teresa Rothwangl

Zitate:
Magda Bleckmann: „Wer am meisten Nutzen bietet oder Druck ausübt, der hat bei Politikern gewonnen.“

Karl-Albrecht Kubinzky: „Ich habe praktische Erfahrung in einem Männerbund namens Freimaurer und in einer katholischen Studentenverbindung.“

Reinhard Rack: „Lobbyismus in positivem Sinn ist Interessensvertretung, Lobbyismus im negativen Sinn ist Schmieren.“