Modell.Zukunft.Steiermark-Diskussion im Grazer Kunsthaus
(31. Mai 2007)
„Der Druck auf allen Etagen des Bildungssystems steigt. Bildung und unser Schulsystem sind gesellschaftspolitische Themen, die viele Menschen berühren“, so LGF Bernhard Rinner. Die Steirische Volkspartei hat daher zu einer spannenden und hochkarätigen Diskussionsrunde ins Kunsthaus Graz eingeladen. „Wir müssen für neue Modelle offen sein“, betonte LH-Vize LPO Hermann Schützenhöfer. „Ich habe mich oft gefragt, warum die Volkspartei bei den vergangenen Nationalratswahlen verloren hat. Vielleicht weil sie nicht mehr ganz beim Lebensgefühl der Menschen war und eine gewisse Enge signalisiert hat. Es muss erlaubt sein, dass man in der ÖVP das Wort Gesamtschule verwendet“, betont Schützenhöfer.
„In der Steiermark haben wir hervorragende Pädagogen. Die Hauptschule in ländlichen Gebieten ist letztlich eine Art Gesamtschule genauso wie die AHS in großen Städten. Die Hauptschulen in den Städten sind eine Art Sonderschule. Dieser Wahrheit müssen wir ins Auge blicken und im Sinne der sozialen Gerechtigkeit einen gleichen Zugang für alle anbieten“, so der Landeshauptmann-Vize weiter. „Mein Ansatz ist, das Beste für das Kind in den Mittelpunkt zu stellen! Darum geht es. Wir müssen uns auch Fragen, wie nach einem verpflichtenden Vorschuljahr oder könnte eine integrierte Gesamtschule, bei der Leistung gefördert wird sinnvoll sein? Fest steht jedenfalls, Schulpolitik kann nicht mit Zirkel und Lineal gemacht werden, sondern alle Beteiligten sollten zuerst die Kinder und das, was gut für sie ist, sehen.“
Unter der Moderation von Ronald Barazon leisteten folgende Experten ihren Beitrag zur erwartunggemäß brisanten Diskussion: Univ.Prof. Dr. Stefan Thomas Hopmann (Universität Wien), der sich unter anderem auf die Zielgruppen des Schulsystems konzentrierte. Univ.Prof. Dr. Manfred Prisching (Universität Graz) wies darauf hin, dass die Schuldiskussion unter einem Schachteldenken leidet. Dr. Kurt Scholz (ehem. Stadtschulrat Wien) stellte nüchtern fest, dass es für ein verpflichtendes Vorschuljahr wohl kein Geld geben würde. Rektor Gerhard Schöll (Bodensee-Schule Friedrichshafen) stellte Projekte aus Deutschland vor. Mag. Dr. Andrea Seel (Pädagogisches Zentrum Diözese Graz-Seckau) ließ mit Frustrationserfahrungen von Kindern aufhorchen.
Ein Schwerpunkt der Diskussion war das Thema Ganztagsschule: „Wenn Ganztagsschule eine Bewahrungsanstalt ist, bin ich dagegen. Bei Ganztagsschule als Kultur- und Kreativförderung bin ich dafür. Es muss allerdings gelingen vernünftige Inhalte zu bringen“, so Scholz. „Ganztagsschulen ermöglichen ganz andere Unterrichtsformen. Lern- und Freizeiten können abgewechselt und aufeinander abgestimmt werden. Das ist eine Chance Kinder auch von einer ganz anderen Seite kennen zulernen. Dafür braucht es aber vielleicht auch anderes Lehrpersonal“, meinte Seel.
„Die allgemeine Annahme, je mehr Schule man macht, desto besser wird sie, ist empirisch ein Unsinn“, merkte Hopmann an. „Es kommt darauf an, wie Kinder gefördert werden und für welche Zielgruppen wir was anbieten. Es ist eine große Herausforderung für die individuellen Bedürfnisse der Kinder, ein attraktives Angebot zu stellen“, sagte Hopmann. „Es beginnt schon beim Schuleinstieg“, so Schöll. „Kindergärten und Schulen sollten besser und individueller kooperieren. In Deutschland gibt es Projekte in diese Richtung, da können Kinder zum Beispiel auch im Dezember vom Kindergarten in die Schule wechseln. Je nachdem wann jedes Kind soweit ist“, konkretisierte Schöll.
„Eine umfassende Reform ist notwendig, muss aber auf 15 bis 20 Jahre angelegt sein“, war sich Prisching sicher. „Dabei müssen wir auf viele Aspekte und Veränderungen Rücksicht nehmen, wie z.B. die demografische Entwicklung, wir werden bald ein Drittel weniger Schüler haben, auf der anderen Seite sind Frauen heute im Berufsleben und brauchen für ihre Kinder eine Nachmittagsbetreuung.“ Die spannende Diskussion, an der sich zahlreiche Besucher im Kunsthaus beteiligten, wird noch ihre Fortsetzung finden.
Bildungsreformkonzept des Modell.Zukunft.Steiermark zum Download






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